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Burgruine Scharzfels

Sie ist Vergangenheit, sie ist eine Ruine. Wo vor Jahrhunderten stolze Ritter in glänzenden Rüstungen ihre Blicke weithin ins südliche Harzvorland schweifen ließen, herrscht heute nur noch Nostalgie. Und Erfurcht, vor den Leistungen unserer Vorfahren, die auf diesem Kalksteinfelsen hoch über der Talebene eine Trutzburg errichteten. Wann das war und wer, ist bis heute nicht bekannt. Zwischen den Dörfern Scharzfeld und Barbis, auf dem Weg nach Bad Lauterberg, erblickt man sie schon von weitem, die Burg Scharzfels. Die Burg galt über Jahrhunderte hinweg als Bollwerk, das nicht einnehmbar war. Zu steil und zu zerklüftet waren die umgebenden Felsen, die einen natürlichen Schutzwall bildeten. Aber jede Ära geht einmal zu Ende, so auch die der Burg Scharzfels.

Im Siebenjährigen Krieg, im Jahr 1761, wurde die Burg durch ein französische Soldaten erobert und dann zerstört. Dazu war aber immerhin ein Streitmacht von 11.000 Mann und seiner Zeit modernste Kanonentechnik erforderlich. Und der Verrat eines Lauterbergers, der den Franzosen einen geheimen Weg auf den nahe liegenden Liethberg zeigte, wie die Legende besagt. Von dort konnten die Franzosen das zwischen liegende Festungswerk Frauenstein zerstören und erobern, von dem aus dann die Feuerkraft den Scharzfels erreichte. Nach zehntägiger Verteidigung durch die Burgbesatzung, bestehend aus 250 Invaliden, 40 Kanonieren und 100 Harzjägern, musste Kommandant Issendorf die Burg übergeben. Zerstört wurde sie aber durch die Franzosen nur durch gelegte Sprengungen und Feuer. Es kann also mit Fug und Recht behauptet werden, die Bauherren der Burg waren nicht nur vorzügliche Baumeister, sie waren auch Strategen ihrer Zeit.

Die Forschung vertritt verschiedene Ansichten zur Entstehungsgeschichte der Burg. Erstmals erwähnt wurde Scharzfels in einer Urkunde Kaiser Otto I. aus dem Jahr 972, nach welcher er neben anderen Gütern auch Scharzfels an das Kloster Pöhlde schenkte. Es wird angenommen, dass die Burg aber schon kurze Zeit später an die Grafen von Lauterberg ging. Verbrieft ist dagegen, dass sie im 11.Jahrhundert Kaiserliches Reichslehen wird und als solches 1091 von Kaiser Heinrich IV. an den Edlen Wittekind von Wolfenbüttel gegeben wurde. Da Wittekind 1118 ohne Erben starb, kam die Burg wieder ans Kaiserreich zurück.

1130 wurde Scharzfels zur Reichsburg ausgebaut. 1157 erhielt Heinrich der Löwe von Kaiser Friedrich Barbarossa in Goslar den Lisgau und die Grafschaft Harzwalde als Belohnung geschenkt. Und der Kaiser führte zudem einen Tausch von erblichem Eigentum durch, indem Heinrich u. a. zur Burg Scharzfels kam. Nach dem Kampf zwischen Heinrich und dem Kaiser und der endgültigen Niederlage von Heinrich, musste dieser den Scharzfels zurückgeben. Der Kaiser übergab die Grafschaft Scharzfels-Lauterberg wieder den gleichnamigen Grafen als Lehen. 1372 starb das Geschlecht der Grafen von Lauterberg aus. 1402 übernahmen die Grafen von Hohnstein die Besitzungen, die3 aber seinerseits 1593 ausstarben.

Die Burg Scharzfels incl. Grafschaft ging dann an die Herzöge von Braunschweig und Grubenhagen, aber auch dieses Geschlecht starb 1617 aus. Die Lüneburger Welfenlinie übernahm die Burg, baute sie zur Garnison und Festung (Gefängnis) aus. Nach ihrer Zerstörung 1761 begann König Georg V. 1857 mit Neubauten im neoromanischen Stil: monumentaler Treppenaufgang zur Oberburg, Brunnenhaus und äußeres Tor. Das Tor ist verfallen, der Treppenaufgang baufällig, nur das Brunnenhaus ist erhalten. Die Burg Scharzfels, die aus Ober- und Unterburg besteht, beeindruckt heute besonders durch die gelungene architektonisch-strategische Verbindung von Baulichkeit mit gewachsenem Fels und natürlichen Hohlräumen und Höhlen.

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2007/2010

 
 
Burgen und Schlösser in der Harzregion: Band 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor), Wolfgang Braun (Autor)
Burgen und Schlösser der Harzregion

In den einschlägigen Touristenführern und Bildbänden über den Harz, finden wir immer die selben Burgen und Schlösser, die als Wahrzeichen und Ausflugsattraktion vorgestellt werden. Aber der Harz hat sehr viel mehr, dieser faszinierenden, mittelalterlichen Altertümer, die in keinem Reiseführer vorkommen. Es sind die zahlreichen Ruinen der Harzer Burgen und Schlösser, von deren Aussehen wir kaum eine Vorstellung haben.

Das Autorenteam hat lange gearbeitet und nun liegt das Resultat als Buch vor. Es vermittelt ihnen in einzigartiger Weise, wie diese legendären, von Mystik umwehten Relikte einer längst vergangenen Zeit, einmal ausgesehen haben könnten. Mittels detaillierter Rekonstruktions- und Grundrisszeichnungen sowie historischer Zeichnungen und Stiche und umfassenden geschichtlichen Fakten, können sie sich ein Bild von der Harzregion im Mittelalter machen. Wir wünschen ihnen viel Freude dabei und möchten sie schon neugierig machen auf den II. Band der bald folgen wird.