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Die Gersdorfer Burg

Und wieder eine Burgruine im nördlichen Harzvorland, und wieder viele Mythen und Legenden. Im Umfeld der Wiege Deutschlands, dem Stift und der Pfalz Quedlinburg, gab es nach dem Herrschaftsantritt Heinrich I. (Heinrich der Burgenbauer) zahlreiche Burgen. Sein Sohn und Nachfolger Otto I. setzte diese Strategie der Errichtung von Schutz- und Befestigungsbauten fort. Eine der Burgen, die vermutlich in dieser Zeit des 10.Jahrhunderts entstanden, war die Gersdorfer Burg. Vermutet wir auch, dass die Gersdorfer Burg die Stammburg von Graf Thietmar war, dem Erzieher und Vertrauten von Heinrich I. und Vater von Markgraf Gero. Sicher verbrieft dagegen ist, dass 961 eine „villa Gerwigesthorp“ im Harzgau erstmals genannt wurde.

Im Jahr 1155 wurde Buchardus de Gersthorp als Lehnsherr des Quedlinburger Stifts genannt und 1179 wurde ein Burg im Besitz dieses Damenstifts genannt auf dem die Herren von Gerstorp saßen. Im Jahr 1303 erneuerte Graf Gardun von Hadmersleben die Gersdorfer Burg, die 1312 „dat hus to gerstdorp“ genannt wurde. 1332 führte Bischof Albrecht II. von Halberstadt eine Fehde mit den Regensteiner Grafen, in der er unterlag. Als Ergebnis musste er das Amt Gersdorfer Burg abtreten. Es folgten weitere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Bischof Albrecht und den Regensteinern, in dessen Ergebnis 1349 der Bischof die Gersdorfer Burg zurückeroberte und zerstörte.

Bereits 1349 wurde die Burg jedoch von Hinze von Dale wieder aufgebaut. Das Adelsgeschlecht der Grafen von Dale oder Dahl gehörte zur Linie der Grafen von Flandern, einem uralten fränkischen Geschlecht aus dem unter anderem auch Karl der Große abstammte. Es folgten wechselnde Besitzverhältnisse und kaum schriftliche Überlieferungen. 1756 begann man die Burg, ausgenommen dem Bergfried, abzureißen. Die Steine der Burg wurden zur Errichtung des neuen Wirtschaftshofes Gersdorfer Burg benötigt.

Die Burganlage liegt etwa 4 km ostsüdöstlich von Quedlinburg (Richtung Badeborn) auf einem 140-150 m NN liegendem, vortretendem Geländezug am Fuß der Seweckenberge. Die Gersdorfer Burg war eine zweiteilige Burganlage mit Haupt- und Vorburg. Die Gesamtanlage umfasst etwa 100x130m. Der erhalten achteckige Bergfried hat eine Höhe von 24m, einen Durchmesser von 8,2m und eine Mauerdicke von 3m. Der Bergfried wurde mit Mittel des Denkmalschutzes restauriert und soll auch wieder begehbar werden. Allerdings ist das gesamte Gelände der Gersdorfer Burg in Form einer Betriebsgesellschaft GbR in Privatbesitz. Der örtlich ansässige Verwalter ist aber bezüglich einer Besichtigung sehr freundlich und entgegenkommend.

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2008

 
 
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Burgen und Schlösser in der Harzregion: Band 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor), Wolfgang Braun (Autor)
Burgen und Schlösser der Harzregion

In den einschlägigen Touristenführern und Bildbänden über den Harz, finden wir immer die selben Burgen und Schlösser, die als Wahrzeichen und Ausflugsattraktion vorgestellt werden. Aber der Harz hat sehr viel mehr, dieser faszinierenden, mittelalterlichen Altertümer, die in keinem Reiseführer vorkommen. Es sind die zahlreichen Ruinen der Harzer Burgen und Schlösser, von deren Aussehen wir kaum eine Vorstellung haben.

Das Autorenteam hat lange gearbeitet und nun liegt das Resultat als Buch vor. Es vermittelt ihnen in einzigartiger Weise, wie diese legendären, von Mystik umwehten Relikte einer längst vergangenen Zeit, einmal ausgesehen haben könnten. Mittels detaillierter Rekonstruktions- und Grundrisszeichnungen sowie historischer Zeichnungen und Stiche und umfassenden geschichtlichen Fakten, können sie sich ein Bild von der Harzregion im Mittelalter machen. Wir wünschen ihnen viel Freude dabei und möchten sie schon neugierig machen auf den II. Band der bald folgen wird.