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Die Harzburg

Unzählige Burgen gibt es in der Harzregion, aber nur eine davon trägt den Namen dieses Gebirges, die Harzburg. Eigentlich handelt es sich um zwei Burganlagen, die der Kleinen und die der Große Harzburg. Geschichtlich tritt nur die Große Harzburg in Erscheinung. Die Kleine Harzburg bleibt im Schatten der Großen und auch um die gibt es wohl mehr Sagen und Legenden als Fakten. Fakt ist, das König Heinrich IV. um 1065 diese Burgfeste als Reichsburg erbauen lies. Zu dieser Zeit war Heinrich IV. im jugendlichen Alter von 15 Jahren. Er wurde von Erzbischof Adalbert von Bremen beraten und versuchte das Erbe seines Vaters Kaiser Heinrich des III. zu bewahren und auf dessen Wegen weiter zu schreiten. Das war schwer genug, da nach dem frühen Tod des Vaters über Jahre ein Machtvakuum bestanden hatte.

Wie der zeitgenössische Chronist Lampert von Hersfeld berichtet, versuchte Heinrich IV. die Königsherrschaft in der Harzregion zu festigen, in dem er einen Ring neuer Burgen errichten lies. Die Hartesburg, wie sie damals im Mittelalter hieß war eine davon. Doch der König sollte sein Werk nicht vollenden. Zu stark war der Widerstand der sächsischen Grafen und des „Antreibers“ Bischof Buko von Halberstadt, gegen die Machtpolitik des Königs. 1073 kam es dann zum „Sachsenkrieg“. Unter Führung von Otto von Northeim und dem Halberstadter Bischof vereinigten sich sächsische Landbevölkerung und sächsisches Adel um gemeinsam gegen Heinrich vorzugehen. Sie belagerten die Harzburg, Heinrich IV. konnte zwar auf mysteriöse, bis heute ungeklärte Weise fliehen, aber seine stolze Harzburg wurde geschleift. Dies war der Anfang vom Ende der Harzburg, die keine 10 Jahre alt war und nie wieder ihren großen aber kurzen Glanz zurück erhielt. Zwar obsiegte am Ende, in der Schlacht von Homburg an der Unstrut, Heinrich IV. endgültig, aber die politischen Ziele des Saliers waren zunichte gemacht worden. Auch sein Sohn Heinrich V. konnte diesbezüglich keine Trendwende einleiten.

Erst etwa 100 Jahre später nahm sich Kaiser Friedrich I. Barbarossa der Harzburg an und baute sie bis 1180 wieder auf. Der Sohn Heinrich des Löwen, Kaiser Otto IV. vollendete den Wiederaufbau und verstarb 1218, als letzter Kaiser der auf ihr wohnte und wirkte, auf der Harzburg. Die unmittelbare Funktion als Reichsburg war aber verloren gegangen. Otto IV. hatte, laut Testament, die Burg an das Reich zurück gegeben. Die Grafen von Wohldenberg wurden als Lehnsherren auf der Burg eingesetzt und kamen später ganz in ihren Besitz. 1269 verpfändeten die Wohldenberger die Burg an die Grafen von Wernigerode.

In den folgenden Jahrhunderten waren die Besitzverhältnisse unübersichtlich, geprägt von zahlreichen Besitzwechseln, aber immer im Einfluss der Welfen. Die Harzburg muss im 15.Jahrhundert einige Belagerungen überstehen, verliert zunehmend an Bedeutung und ist dem Verfall preisgegeben. Eine geplante Instandsetzung mit großzügigem Umbau unter Herzog Julius von Braunschweig um 1574 bleibt aus Kostengründen unrealisiert. Statt dessen wird der Amtssitz von der Harzburg nach Bündheim verlegt. Die Harzburg hatte ihre letzte Bedeutung verloren. 1650 erlässt Herzog August der Jüngere den Abbruchbefehl, allein 2 Kapellen bleiben verschont. 1842, also etwa 190 Jahre später, erlangt die Harzburg wieder eine gewisse Bedeutung. Ein Gasthaus wird errichtet und die Ruine der Harzburg wird zum Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr.

Und es wird begonnen die Harzburg zu untersuchen und erforschen. Erste Erkenntnisse gewann 1867 Gastronom Reusche des Gasthauses „Zum Crodo“. Er ließ den in den Felsen gehauenen, völlig verschütteten Kaiserbrunnen entleeren. Dabei wurde in etwa 20m Tiefe ein gemauerter Gang gefunden in der Brunnenwand gefunden der allerdings nach ca. 7m verschüttet war. Welchen Zweck hatte dieser Gang, ist durch ihn die mysteriöse Flucht von Heinrich IV. zu erklären. 1898 lies der Gastronom eine Wasserleitung auf den Burgberg bauen. Bei den erforderlichen Erdarbeiten wurde auf einer Strecke von 40m eine uralte Wasserleitung gefunden. Von 1902-1904 nahm R. Nehring archäologische Grabungen vor, die ab 1960 durch H. A. Schultz fortgesetzt wurden. Diese Wasserleitung aus 52 cm langen Tonröhren wird der Salierzeit zugeordnet und war insgesamt ca. 1,3 km lang. Ihren Ursprung hatte sie in einem aus Granitblöcken gemauerten Staubecken im Hang des Spüketals.

Beachtenswert ist, dass diese Wasserleitung exakt nach den Plänen Marcus Vitruvius Pollio erbaut wurde, der Konstrukteur und Planer unter Cäsar war. In diesem Zusammenhang sei auch eine alte Sage erwähnt, die eine Burg an dieser Stelle schon Cäsar zuschreibt. Es ist anzunehmen, das diese Wasserleitung schon bei der geschilderten Burgbelagerung 1073 vorhanden war. Eine Angabe aus einer Schrift dieser Zeit dem „Carmen de bello Saxonico“, dessen Verfasser leider unbekannt ist, weist bei der Schilderung der Schlacht darauf hin, dass die Sachsen der Burg die Zufuhr der Quelle abschnitten. In diesem Zusammenhang gibt auch die erwähnte kleine Harzburg Rätsel auf. Ihr Sondername ist „Alte Burg“ was auf eine Gründung vor der Reichsburg hinweist.

Eine weitere ungeklärte Besonderheit der Harzburg ist die „Harzburger Höhle“ die oft in Sagen und Mythen vorkommt. Es ist ein, am Nordhang des großen Burgberges, bergmännisch angelegter Stollen von 7 m Tiefe, 2m Höhe und 1,5m Breite, der blind endet. Bei so vielen Geheimnissen und Mythen ist es kein Wunder, das diese ehemalige Kaiserfalz heute einen touristischer Anziehungspunkt darstellt. Aber lassen sie sich überraschen und in eine mittelalterliche Zeiten zurück versetzen. Damit ein Besuch nicht all zu beschwerlich ist, gibt es heute eine moderne Burgbergseilbahn bei Bad Harzburg.

Weitere Informationen unter: Kaiser Otto IV., Sachsenkriege unter Heinrich IV.
und Die Harzburg in Wikipedia
Link zu Google-Map: http://maps.google.de/maps?

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2007/2011

 
 
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Burgen und Schlösser in der Harzregion: Band 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor), Wolfgang Braun (Autor)
Burgen und Schlösser der Harzregion

In den einschlägigen Touristenführern und Bildbänden über den Harz, finden wir immer die selben Burgen und Schlösser, die als Wahrzeichen und Ausflugsattraktion vorgestellt werden. Aber der Harz hat sehr viel mehr, dieser faszinierenden, mittelalterlichen Altertümer, die in keinem Reiseführer vorkommen. Es sind die zahlreichen Ruinen der Harzer Burgen und Schlösser, von deren Aussehen wir kaum eine Vorstellung haben.

Das Autorenteam hat lange gearbeitet und nun liegt das Resultat als Buch vor. Es vermittelt ihnen in einzigartiger Weise, wie diese legendären, von Mystik umwehten Relikte einer längst vergangenen Zeit, einmal ausgesehen haben könnten. Mittels detaillierter Rekonstruktions- und Grundrisszeichnungen sowie historischer Zeichnungen und Stiche und umfassenden geschichtlichen Fakten, können sie sich ein Bild von der Harzregion im Mittelalter machen. Wir wünschen ihnen viel Freude dabei und möchten sie schon neugierig machen auf den II. Band der bald folgen wird.