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Die Kaiserpfalz Goslar im Harz

Es heißt, der Kaiser Heinrich III. habe das Weihnachtsfest oft in Goslar gefeiert. So jedenfalls berichtet eine alte lateinische Chronik: „Rex nativitatem Domini Goslariae celebravit …“. Zu jener Zeit um 1050 war das, am Fuße des Rammelsberges gelegene Kaiserhaus zu Goslar, der wohl „berühmteste Wohnsitz“ des römischen Reiches deutscher Nation. Auch, oder gerade weil, seitdem schon tausend Jahre vergangen sind, hat diese Stätte früher deutscher Geschichte auch eine besondere kunsthistorische Bedeutung erlangt.

Und entstanden in dem Sog der der kaiserlichen Bautätigkeit sowie der Entwicklung zum „Reichszentrum“ entlang dem breiten Tal der Gose, vor der beeindruckenden Kulisse des steil ansteigenden Nordharzrandes, viele romanische Bauwerke. Das Kaiserhaus von Goslar hat die Jahrhunderte natürlich nicht spurlos überstanden, hat viel Ungemach erleiden und sich zahlreichen Wandlungen anpassen müssen. Aber bis heute spiegelt die Kaiserpfalz die ursprüngliche Größe und Macht des deutschen Kaisertums wieder.

Zwischen 1005 und 1015 wurde unter Kaiser Heinrich II. eine erste Anlage errichtet und als Folge die Pfalz Werla nach Goslar verlegt. Allerdings folgte bereits ca. 1040 bis 1050 ein kompletter Neubau der Pfalz unter Heinrich III., dem der Bau seines ottonischen Vorgängers nicht standesgemäß erschien. Auch ließ der Salier Heinrich, östlich des Palas ab 1047 die Stiftskirche St. Simon und Judas erbauen. Leider wurde dieses eindrucksvolle Gotteshaus im Stil einer Basilika, wegen Baufälligkeit, 1819 fast abgerissen. In dieser Stiftskirche stand einstmals der berühmte Kaiserstuhl, mit seinen reliefgeschmückten Steinschranken und den rankenverzierten Bronzelehnen, auf dem, als Thronsessel, 1871 Kaiser Wilhelm I. im Berliner Schloss den ersten Reichstag des neuen Deutschen Reiches eröffnete. Von diesem einst beeindruckenden „Dom“, den Heinrich Heine bei seiner Harzreise 1824 nur noch als Trümmerhaufen vorfand, steht heute nur noch eine nördliche Vorhalle. Die wurde erst um 1150 zur Stiftskirche hinzugefügt. Und heute bewahrt sie den nach Goslar zurückgekehrten Kaiserthron.

Ende des 11. Jahrhunderts bis Anfang des 12.Jahrhunderts kam dann noch die St. Ulrichskapelle hinzu. Bis etwa 1188 folgten dann weitere Um-, Aus- und Neubauten zum heutigen Gesamtbild staufischer Prägung. Um 1220 wurde dann noch der imposante Treppenvorbau durch Friedrich II. erbaut. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts nahm die Bedeutung von Goslar und vom Kaiserhaus, wie auch des gesamten Harzes, rasant ab. Der letzte Königsbesuch auf der Pfalz fand 1253 durch Wilhelm von Holland statt. Im Jahr 1289 wütete ein schwerer Brand in der Pfalz, dem das „Jüngere Wohngemach“ zum Opfer fiel, dieses wurde auch nicht wieder aufgebaut. Dieses Ereignis war wohl der endgültige Todesstoß für die Kaiserpfalz Goslar. 

Bereits 1354 wurde die St. Ulrichskapelle zum Vogteigefängnis umfunktioniert. Ab dem 18.Jahrhundert dient das ehemalige Kaiserhaus dann nur noch als Lagerhaus. Teile des Bauwerks, so am Südflügel, wurden abgerissen und durch Fachwerk ersetzt. Tiefstand! Aber die stolze Stadt Goslar besinnt sich schnell eines Besseren. Ab 1868 wurde der ursprüngliche Zustand mühevoll wieder hergestellt. Im Jahr 1897 ist alles fertig, die Stadt nutzt den geschichtsträchtigen Gebäudekomplex für Verwaltungs-, Ausstellungs- und Repräsentationszwecke.

Das Kaiserhaus zu Goslar, ein zweigeschossiger, grauer Palas, etwa vierundfünfzig Meter lang und achtzehn Meter breit, ist heute Weltkulturerbe. Um das riesige Mittelfenster sind beidseitig je drei durch Säulen unterteilte und getragene Rundfenster angeordnet. Der ausladende Giebel eines Querschiffes über dem Mittelfenster und ein gewaltiges Steildach, gedeckt mit blauem Schiefer, krönen das majestätische Gebäude. Im ersten Stock, hinter dem Mittelfenster, liegt der zweigeschossige Kaisersaal. Er war etwa zwei Jahrhunderte die „politische Bühne“ des Kaiserreichs. Seine Größe von siebenundvierzig mal fünfzehn Metern ist königlich. Dem Mittelfenster gegenüber, an der geschlossenen Saalrückwand, stand einstmals der legendäre Kaiserthron. In ihm wird auch Kaiser Friedrich Barbarossa gethront haben, als Heinrich der Löwe Goslar und den Rammelsberg einforderte, aber nicht erhielt. Darunter, im Untergeschoß, liegt ein zweiter Saal gleicher Größe, der dem niederen Gefolge vorbehalten war.

Einiges ist bei der Komplettrestaurierung der Kaiserpfalz in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts nicht originalgetreu wiederhergestellt worden. Heutige Kunsthistoriker und Denkmalschützer kritisieren dies als „diverse Bausünden“. Ich sehe nur eine Restaurierung, die dem damaligen Zeitgeist folgte, so wie auch wir heute dem Zeitgeist Rechnung tragen müssen und uns folgende Generationen es auch tun werden. Besonders die monumentalen, historischen Wandgemälde im Inneren des Gebäudes, die von Prof. Hermann Wislicenus in der Zeit von 1879 bis 1897 geschaffen wurden, rechtfertigen keine Pauschalkritik unter dem Deckmantel des Denkmalschutzes. Diese bildlichen Darstellungen von Szenen deutscher Geschichte, aus Märchen und Sage, sind grandiose Werke eines Meisters, die zwischenzeitlich selbst zu Denkmälern geworden sind.

Weitere Informationen unter: Kaiserliche Baukunst Goslar und Kaiserpfalz Goslar in Wikipedia

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Copyright des 1. Fotos Raymond Faure
Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2009/2010/2011

 
 
Burgen und Schlösser in der Harzregion: Band 2
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor), Wolfgang Braun (Autor)
Burgen und Schlösser der Harzregion, Band 2

Band 2 unseres Burgenführers für die Harzregion schließt sich nahtlos an den erfolgreichen ersten Band an. Wieder werden ihnen 49 Burgen und Schlösser vorgestellt, die Bestandteil der Geschichte der Harzregion sind und wieder werden die textlichen Ausführungen von Bernd Sternal ergänzt durch Rekonstruktionszeichnungen von Wolfgang Braun und Grundrissen von Lisa Berg. Auch seltene alte Stiche haben wir wieder in den Archiven ausgegraben und als attraktive Ergänzung eingefügt.

Wie schon zuvor versuchen wir erneut eine Brücke zu schlagen, zwischen fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, gepaart mit einer kleinen Portion künstlerischer Fantasie, damit Sie eine bildhafte Vorstellung davon haben, wie diese monumentalen Bauten des Mittelalters einmal ausgesehen haben könnten.

Wir hoffen, dass Ihnen auch dieser Band ein guter Begleiter bei der Erkundung dieser Altertümer sein wird, wie uns für den ersten Band mehrfach bekundet wurde.