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Die Konradsburg bei Ermsleben

Der Siedlungsplatz 3 km südlich von Ermsleben, gelegen auf einer 223 m hohen Bergnase mit Steilabfällen nach Norden, Westen und Süden, wurde nachweislich von Menschen schon seit der Jungsteinzeit genutzt. In vorgeschichtlicher Zeit war diese Hochfläche Sicherungsposten und Kultstätte. Später, nach der Christianisierung, wurden erste Befestigungsanlagen errichtet.

Wie fast üblich für die Harzregion, sind Bauherr und Baujahr der Konradsburg nicht bekannt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg 1040 als „ Burchardus de Conradesburch“. Gelegen unweit der alten Heerstraße Quedlinburg – Eisleben kann angenommen werden, dass die Burg ursprünglich zum Schutze des Reichsgutes Harz angelegt wurde. Burgherren im 11.Jahrhundert waren die Grafen von Konradsburg. Selbige hielt es aber nicht lange auf ihrer Burg. Nach 1120 verließen die Konradsburger Ihre Burganlage um im Selketal die Burg Falkenstein zu errichten. Fortan nannten sie sich nur noch Falkensteiner.

Bis 1133 wurde die Konradsburg dann in ein Benediktinerkloster umgewandelt, welches fortan für die folgenden Jahrhunderte ein geistiges und wirtschaftliches Zentrum für die Ostharz-Region darstellte. Im 15.Jahrhundert folgte der Niedergang des Benediktinerklosters, der auf gesellschaftliche Veränderungen zurückzuführen sein dürfte.

Ende des 15. Jahrhunderts versuchten Karthäusermönche das Kloster zu übernehmen, gaben aber am Ende des Bauernkriegs auf. Ab 1712 wurde die Konradsburg als Domäne landwirtschaftlich genutzt, was sich bis 1945 fortsetzte. Ab 1945 setzte dann ein rapider Verfall ein, dem erst 1982 durch eine Bürgerbewegung, die 1990 im Förderkreis Konradsburg e.V. aufging, gestoppt werden.

Heutige Besucher erinnern weder Wehrtürme noch Bergfried oder Palas an die einstmals wehrhafte Burganlage. Trotzdem hat das Kloster die Grundzüge der Burg nicht verwischt. Ihr eiförmiger Grundriss ist deutlich zu erkennen und archäologische Grabungen haben eine ursprüngliche Gesamtlänge der Anlage von 220m ergeben. Auch von der dreischiffigen, romanischen Basilika des Klosters sind bis heute nur der hohe Chor und die darunter liegende Krypta erhalten geblieben.

„Der Chorraum vermittelt, trotz seiner Schlichtheit, höchst eindrucksvoll die Größe der einstigen Basilika. Die Krypta ist eine fünfschiffige, kreuzgratgewölbte Halle, getragen von Säulen und Pfeilern. Kapitelle und Kämpfer, ausgestattet mit einer vielfältig beeinflussten Bauzier, geben Zeugnis der hervorragenden Baukunst um 1200. Die an die Kirche angrenzende Bebauung lässt in den Grundzügen noch Ost- und Nordflügel des Klausurbereiches erkennen“. Im Zentrum des einstigen Kreuzganges steht ein altes Brunnenhaus, ein zweigeschossiger Fachwerkbau, der vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammt. Darin befindet sich der über 45 m tiefe, wahrscheinlich noch aus der Burgenzeit stammende Brunnen mit einer technischen Schauanlage – einem Eselstretrad“ (Auszüge aus www.konradsburg.com).

Und wem es nach soviel Kulturgeschichte nach leiblichen Genüssen lüstet, der sollte nicht verpassen das zugehörige Galeriecafé zu besuchen. Übrigens sind auch die mittelalterlichen Essen in der schwarzen Küche für Feiern und Gesellschaften ein echter Geheimtipp.

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2007/2010

 
 
Burgen und Schlösser in der Harzregion: Band 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor), Wolfgang Braun (Autor)
Burgen und Schlösser der Harzregion

In den einschlägigen Touristenführern und Bildbänden über den Harz, finden wir immer die selben Burgen und Schlösser, die als Wahrzeichen und Ausflugsattraktion vorgestellt werden. Aber der Harz hat sehr viel mehr, dieser faszinierenden, mittelalterlichen Altertümer, die in keinem Reiseführer vorkommen. Es sind die zahlreichen Ruinen der Harzer Burgen und Schlösser, von deren Aussehen wir kaum eine Vorstellung haben.

Das Autorenteam hat lange gearbeitet und nun liegt das Resultat als Buch vor. Es vermittelt ihnen in einzigartiger Weise, wie diese legendären, von Mystik umwehten Relikte einer längst vergangenen Zeit, einmal ausgesehen haben könnten. Mittels detaillierter Rekonstruktions- und Grundrisszeichnungen sowie historischer Zeichnungen und Stiche und umfassenden geschichtlichen Fakten, können sie sich ein Bild von der Harzregion im Mittelalter machen. Wir wünschen ihnen viel Freude dabei und möchten sie schon neugierig machen auf den II. Band der bald folgen wird.