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Die Roseburg

Denkt man an Märchenschlösser, denkt man an Neuschwanstein, Versailles oder Sanssouci. Dass sich auch am nordöstlichen Harzvorland ein solches befindet, wird viele verwundern. Roseburg, wie dieses Harzer Märchenschloss heißt, liegt zwischen Rieder und Ballenstedt, direkt an der Landsstraße. Es ist weder so alt wie Versailles, noch so pompös wie Neuschwanstein. Und es drängeln sich keine Touristenströme, bestückt mit Videokamera und Fotoapparat in Park und Baulichkeiten. Und trotzdem! Wer die Roseburg einmal besucht hat, wird mir Recht geben. Ein Märchenschloss, wenn auch ein kleines, neuzeitliches.

Es gibt demzufolge auch keine Lücken in der Geschichte der Burg. Der Bauherr und erste „Burggraf“ war Bernhard Sehring. Der begnadete Berliner Architekt lebte von 1855 bis 1941. Referenzen hat Sehring reichlich aufzuweisen. Die bekanntesten Bauten aus der Feder von Sehring sind wohl das „Theater des Westens“ sowie das Berliner „Künstlerhaus St. Lucas“.

Das Wirkspektrum von Architekt Sehring war weit gefächert und reichte vom Wohnhaus über Theater- und Kulturbauten bis zum Schloss. Kein Wunder also, dass Sehring sich mit der Roseburg ab 1905, einen lang gehegten Wunsch erfüllte, indem er all seine Kreativität und Erfahrung einbrachte.

Das Areal, auf dem die Roseburg steht, liegt 254 Meter über Normalnull, auf einem Felsrücken aus Muschelkalk am westlichen Ende der Steinberge. Erworben hat es Sehring von den Grafen Anhalt-Dessau. Gebaut hat er sein Traumschloss, inklusive Parkanlage, auf den Mauern einer uralten Burg. Die erste stiftsurkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 963 und nennt den Namen „Rothallasburc“. Weitere Details zur Geschichte der Burg sind bisher nicht überliefert, in der Vergangenheit gemachte archäologische Funde sind nicht erhalten.

Aber zurück zu Architekt Sehring und seinem Lebenswerk „Roseburg“. Die Bauzeit für Burg und Park nahm 18 Jahre, von 1907 bis 1925, in Anspruch. Insgesamt soll der engagierte Architekt 13 Millionen Reichsmark verbaut haben, wobei allein die aufwändige,1600 Meter lange Außenmauer, über 1 Million Reichsmark gekostet haben soll. Entstanden ist ein Burgensemble mit vielschichtigen Stilelementen. Romanisches Flair und italienischer Frühbarock bilden eine Einheit mit Jugendstil und Klassizismus, eingerahmt von einer großzügigen Parkanlage, nach Vorbild eines englischen Landschaftsgartens, mit Türmen, Wasserkaskaden und Obstgärten. Leider ging dem Stararchitekten ab dem Jahr 1920 das Geld aus, was dazu führte, dass nicht alle seine Pläne verwirklicht werden konnten.

Nach Sehrings Tod im Jahr 1941 sowie dem Tod seiner Ehefrau 1950, erlebte die Roseburg eine sehr wechselvolle Geschichte, die in einem „Besitzer-Krimi“ nach der Wiedervereinigung gipfelte. Seit 2006 ist das „Märchenschlösschen“ an einen Privatinvestor verkauft. Der Besitzer, Herr Rolf Illmer, führt Erhaltungs-, Sanierungs- und Restaurationsarbeiten an Gebäuden und Park durch.

Ein glücklicher Umstand, die Landesgartenschau im Jahr 2010, hat dieses schwierige und kostspielige Unterfangen beflügelt. Die Roseburg ist als Referenzstandort dieser Landesgartenschau ausgewählt worden. So konnten umfangreiche Fördergelder in die Roseburg investiert werden, die einen Sanierungs- und Restaurationsfortschritt bewirkten, wovon man 2006 nur hätte träumen können. Auch das Burgcafé erstrahlt in neuem Glanz und wird von einer neuen Pächterin geführt.

Die Roseburg ist im Winter nicht für Besucher geöffnet, obwohl insbesondere der Park zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert wäre. Denn Sehring hat in absolut harmonischem Einklang, exotische Gehölze und Anpflanzungen mit einheimischen Gewächsen vermischt. Dabei wurden die jeweiligen Blütezeiten so abgestimmt, dass der Park ganzjährig eine Pracht darstellt.

Weiterführende Informationen sowie zu Öffnungszeiten finden sie unter http://www.roseburg-harz.de

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2007/2011

 
 
Hotel Auf der Hohe in Ballenstedt
 
Burgen und Schlösser in der Harzregion: Band 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor), Wolfgang Braun (Autor)
Burgen und Schlösser der Harzregion

In den einschlägigen Touristenführern und Bildbänden über den Harz, finden wir immer die selben Burgen und Schlösser, die als Wahrzeichen und Ausflugsattraktion vorgestellt werden. Aber der Harz hat sehr viel mehr, dieser faszinierenden, mittelalterlichen Altertümer, die in keinem Reiseführer vorkommen. Es sind die zahlreichen Ruinen der Harzer Burgen und Schlösser, von deren Aussehen wir kaum eine Vorstellung haben.

Das Autorenteam hat lange gearbeitet und nun liegt das Resultat als Buch vor. Es vermittelt ihnen in einzigartiger Weise, wie diese legendären, von Mystik umwehten Relikte einer längst vergangenen Zeit, einmal ausgesehen haben könnten. Mittels detaillierter Rekonstruktions- und Grundrisszeichnungen sowie historischer Zeichnungen und Stiche und umfassenden geschichtlichen Fakten, können sie sich ein Bild von der Harzregion im Mittelalter machen. Wir wünschen ihnen viel Freude dabei und möchten sie schon neugierig machen auf den II. Band der bald folgen wird.