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Die Stauffenburg

Gittelde ist eine Gemeinde am nordwestlichen Harzrand, die zur Samtgemeinde Bad Grund gehört. Der Flecken Gittelde muss ein uralter Siedlungsplatz gewesen sein. Schon aus der Zeit um 950 stammt die erste Überlieferung über einen Großhof, der noch aus germanischer Vorzeit stammen soll. Er soll die Keimzelle der Siedlung gewesen sein, die Sitz eines sächsischen Edelmanns war. Wie bei zahlreichen anderen Ansiedlungen dieser Zeit in der Harzregion gehörte zum Hof eine Anzahl unfreier Familien, die den Hof bewirtschafteten. Für die Überlieferung aus dem Jahr 950 sind die Besitzer des Hofes bekannt. Es waren die Grafen von Billung, bekannte Vasallen des sächsischen Kaiserhauses. Hermann von Billung war Markgraf und zeitweise Stellvertreter von Kaiser Otto I. Seine Gemahlin brachte Gittelde und andere Westharzer Güter als Erbgut in die Ehe ein. Diese Güter wurden von Otto I. erworben.

Unweit von Gittelde, ca. 2,5 km südwestlich, in einem dem Harz vorgelagerten Höhenzug, liegt die Ruine der Stauffenburg. Die Burg wurde wahrscheinlich um 1050 auf einem nach Süden vorspringenden Bergkegel erbaut, der Großer Schmalenberg genannt wird. Sie wurde auf ehemaligem Reichsgut durch die Grafen von Katlenburg, in unmittelbarer Nähe zur alten Liesgauer Heerstraße errichtet. Die Grafen von Katlenburg waren damals Reichsvögte und die Burg wurde zur Sicherung des aufstrebenden Bergbau- und Hüttenort Gittelde erbaut. Vermutet wird, dass die Grafen von Katlenburg und die von Billung in einem verwandtschaftlichen Verhältnis standen. Um 1130 starben die Grafen von Katlenburg aus und die Burg ging als Erbe an die Welfen, in Person von Heinrich dem Löwen.

Die Ministerialenfamilie von Stauffenburg, die auch vorher schon die Burg bewohnte blieb weiter ansässig. Auch ist von ihr der Burgenname abgeleitet. 1180, nach dem Sturz Heinrich des Löwen, wird Friedrich I. „Barbarossa“  Burgherr. Es folgte ein Jahrhunderte dauernder Besitzstreit zwischen den Welfen, dem Kaiserhaus und kirchlichen Instanzen, was die ehemalige Bedeutung der Burg veranschaulicht. Ab etwa 1429 gelangte die Stauffenburg dann endgültig in den Besitz der Welfen. In der Zeit von 1495 bis 1522 erlebte die Burg dann ihre Glanzzeit als Witwensitz der Herzogin Elisabeth. Ab 1524 bis 1541 war die Stauffenburg Liebesnest von Herzog Heinrich des Jüngeren von Wolfenbüttel. Er versteckte auf der Burg Eva von Trott als Geliebte, die ihm dort 10 Kinder gebar. Zuvor soll der Herzog Eva von Trott in einem Scheinbegräbnis zu Gandersheim für tot erklärt haben. In der Folge war die Burg Ruhesitz der Schwester des Herzogs Julius Margarete.

Die Stauffenburg war in der Zeit des Spätmittelalters und der Renaissance politischer Innensitz der Welfen und ihr Staatsgefängnis. 1713 wurde der Amtssitz von der Burg in das im Tal liegende Vorwerk Lichtenhagen verlegt, das fortan Domäne Stauffenburg heißt. Damit wurde der Burg ihre Bedeutung genommen, sie begann zu veröden. 1654 zeigt ein Stich von Merian die Burg noch in guterhaltenen Zustand. 1776 wird noch von halbverfallenen Zimmern auf der Burg berichtet. Bis 1778 wurde die Burg noch als Gefängnis genutzt, dass dann auch in der Domäne seinen Platz fand. Danach wurde die Stauffenburg als Baustofflieferant genutzt.

Die Stauffenburg heute ist eine Burgruine, die zum Teil restauriert und rekonstruiert wurde. Ein uralter Hohlweg führt auf den Bergrücken der Stauffenburg, der oben noch heute durch einen Halsgraben gesichert ist. Oben angekommen trifft der erste Blick den Flankierturm des Haupttores. Von der ehemaligen Burganlage, die 200x90m maß, sind noch viele baulichen Details zu erkennen. Im Zentrum der Kernburg befinden sich die Reste des quadratischen Bergfrieds von 7x7 m sowie 3 m Höhe. Auf einer Erhebung neben der Burg steht ei n Naturdenkmal. Die uralte Linde, mit einem Durchmesser von über 2 m, wurde nach Eva von Trott „Eva-Linde“ benannt. Die Burgruine der Stauffenburg erlaubt einen weiten Blick nach Süden. Sie strahlt eine Atmosphäre aus, die zum Nachdenken, Besinnen aber auch Verweilen einlädt. Einen gefüllten Picknick-Korb mitzunehmen ist sicher nicht die schlechteste Idee. 

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2007/2011

 
 
Burgen und Schlösser in der Harzregion: Band 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor), Wolfgang Braun (Autor)
Burgen und Schlösser der Harzregion

In den einschlägigen Touristenführern und Bildbänden über den Harz, finden wir immer die selben Burgen und Schlösser, die als Wahrzeichen und Ausflugsattraktion vorgestellt werden. Aber der Harz hat sehr viel mehr, dieser faszinierenden, mittelalterlichen Altertümer, die in keinem Reiseführer vorkommen. Es sind die zahlreichen Ruinen der Harzer Burgen und Schlösser, von deren Aussehen wir kaum eine Vorstellung haben.

Das Autorenteam hat lange gearbeitet und nun liegt das Resultat als Buch vor. Es vermittelt ihnen in einzigartiger Weise, wie diese legendären, von Mystik umwehten Relikte einer längst vergangenen Zeit, einmal ausgesehen haben könnten. Mittels detaillierter Rekonstruktions- und Grundrisszeichnungen sowie historischer Zeichnungen und Stiche und umfassenden geschichtlichen Fakten, können sie sich ein Bild von der Harzregion im Mittelalter machen. Wir wünschen ihnen viel Freude dabei und möchten sie schon neugierig machen auf den II. Band der bald folgen wird.