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Roswitha, die erste deutsche Dichterin

Hrotsvit hieß sie, ein Name der heute Roswitha bedeutet. Ihr Geburtsjahr liegt wahrscheinlich zwischen 930 und 940. Vielmehr wissen wir bis heute nicht über sie, die wir heute als Roswitha von Gandersheim bezeichnen. Nicht mal ihre Abstammung und ihr Todesjahr sind überliefert. Und die wenigen persönlichen Informationen, die wir von ihr haben, stammen aus ihrem Werk das uns überliefert ist. Roswitha von Gandersheim ist als erste deutsche Dichterin in die Literaturgeschichte eingegangen. Und auch als erste bekannte Historiographin kann sie durchaus bezeichnet werden. Im alt-ehrwürdigen Kanonissenstift zu Gandersheim lebte Roswitha als Kanonisse. Kanonissenstifte waren in jener Zeit des Mittelalters vom 6. bis 12. Jahrhundert von großer Bedeutung und das von Gandersheim nahm unter ihnen im 10.Jahrhundert eine einzigartige Stellung ein.

852 ist das Stift zu Gandersheim von der Stifterfamilie der Liudolfinger gegründet worden, die wir heute als Ottonen bezeichnen. Zuvor hatte sich diese sächsische Adelsfamilie in der Mark Gandersheim eine Vormachtstellung erkämpft. Das Stift Gandersheim war mit reichen Schenkungen ausgestattet, es genoss Immunität und Königschutz und weitere königliche Privilegien. Und auch die Garantie der Äbtissinnenwürde für die Stifterfamilie wurde erteilt. Somit war das Gandersheimer Stift für die Liudofinger Machtsymbol, Ausbildungsort für die Töchter und Grabstätte zugleich. Natürlich war es auch Ort der Gottesverehrung, dies wohl aber eher zweitrangig, denn für die Aufnahme als Kanonissin wird wohl eher Reichtum als Gottesfürchtigkeit Kriterium gewesen sein. Somit kann davon ausgegangen werden, dass Roswitha Tochter einer wohlhabenden und einflussreichen sächsischen Familie gewesen sein muss.

Aber zurück zu Roswitha, der Dichterin. Im Hochmittelalter war wissenschaftliche Bildung auch in Adelskreisen nicht üblich. Sie war im Wesentlichen dem Klerus vorbehalten. Warum Roswitha schon im Kindesalter in den klassischen Fächern des Quadriviums, also in Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik unterrichtet wurde, wissen wir nicht. Wir müssen es hinnehmen, weil sie es in ihren Werken schreibt. Dann muss wohl Gerberga, eine Nichte Otto des Großen, ihre Lehrerin geworden sein. Und Gerberga hat wohl, so scheint es, Roswitha mit ins Stift zu Gandersheim genommen, nachdem sie dort zur Äbtissin gewählt worden war. Sie, die selbst im bayrischen Kloster St. Emmeram ausgebildet wurde, lehrte Roswitha Grammatik, Dialektik und Rhetorik. Und sie lehrte ihr neben Latein auch Griechisch. Nach eigenen Angaben verschrieb sich Roswitha schon jung der Dichtkunst.

Ihr erstes Werk wird der Zeit vor 959 zugeschrieben, ihr letztes nicht nach 973. Roswitha selbst hat ihr Werk in drei Büchern chronologisch geordnet herausgegeben: Erstes Buch: die Legenden; Zweites Buch: die Dramen; Drittes Buch: die historische Dichtung. Roswithas Werk ist in einigen Handschriften überliefert. Anzunehmen ist, dass das dritte Buch „Gesta Ottonis“ im Auftrag des kaiserlichen Hauses, als historiographische Schrift entstand. Die Emmeram-Münchner Handschrift M ist die vollständigste und wichtigste Quelle. Sie wurde wahrscheinlich im 10.Jahrhundert in Gandersheim geschrieben und durch Äbtissin Gerberga nach Regensburg geschickt. Sie enthält fast alle historischen Dichtungen und ist damit eine der wertvollsten Quellen ihrer Zeit. Wiederentdeckt wurde sie erst 400 Jahre später von dem Humanisten Conrad Celtis, der sie 1501 veröffentlichte.

Roswitha von Gandersheim – fast nichts wissen wir von dieser Frau, aber sie hat uns unendlich viel hinterlassen. Im heutigen Bad Gandersheim ist sie allgegenwärtig, geniest große Ehrung und 1978 wurde ihr der Roswitha-Brunnen gewidmet.

Weitere Informationen unter: Roswitha von Gandersheim – Wikipedia

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Copyright der Texte Bernd Sternal 2009

 
 
 
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