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Die Baumannshöhle

Der Grundstein wurde vor etwa 400 Mio. Jahren, im Devon, mit der Entstehung der Muschelkalkbänke im Urmeer gelegt. 100Mio. Jahre später, im Karbon, begann dann der Gebirgsbildungsprozess. Die Deutschen Faltengebirge wurden emporgehoben und mit ihnen wurden die Kalkschichten des einstigen Meeres nach oben gepresst. An zwei Stellen des heutigen Harzes wurden die oberen Schichten der Erdkruste von aufsteigenden, flüssigen Gesteinsmassen kuppelartig aufgewölbt. So entstanden die Granitmassive von Brocken und Ramberg. Es vergingen die Jahrmillionen des Perm und Trias, Meere bedeckten wieder weite Teile des heutigen Mitteldeutschlands. Am Ende der Jurazeit begannen sich die Gebirgsschollen erneut zu heben, es entstand unter anderem die Harzscholle, ein Bruchschollengebirge. Durch das Heben barst die Gebirgsscholle, als Folge entstanden Risse, Klüfte und Spalten im Gestein, die Voraussetzung für eine spätere Höhlenbildung. Am Ende des Pleistozän, mit Beginn der Warmzeit, schmolzen die Eismassen im Harzgebirge. Die Schmelzwasser schossen in Wildbächen zu Tal und schufen die Täler der Harzflüsse. Aber es drang auch in die Spalten und Klüfte des Gebirgsmassivs ein, löste den Kalk und spülte ihn fort. Das Ergebnis dieser Ausspülungen sind die zahlreichen Höhlen im Harz. Auch die Rübeländer Höhlen entstanden so!

1536 ging der Bergmann Friedrich Baumann auf der Suche nach Erzvorkommen in die Rübeländer Berge. Was er fand und entdeckte war die Dunkelheit einer riesigen Höhle, die nach ihm Baumannshöhle genannt wurde. Aber Baumann war nicht der ursprüngliche Entdecker sondern nur der Widerentdecker der Neuzeit. Denn schon in der Jungsteinzeit nutzten Menschen die Höhle als Zuflucht und Lager, was Steinwerkzeuge, Knochen, Tonscherben und andere Artefakte belegen. Der Höhleneingang war den Menschen der Region wohl bekannt, wurde aber aus Angst vor Geistern, Kobolden sowie wegen der Enge und Dunkelheit des Mundlochs gemieden.

Nach der Wiederentdeckung der Höhle wurde der Eingang bald erweitert. Schon vor dem dreißigjährigen Krieg fanden sich Abenteurer und Bewunderer zur Besichtigung ein. Nach diesem Krieg begann eine erste Blütezeit der Baumannshöhle. Im Laufe weniger Jahre wurden zahlreiche Beschreibungen verfasst, wovon wohl die bekannteste von Merian stammt. Auch die gräfliche Regierung nahm sich der Fürsorge für die Höhle an. Sie wurde zur Besichtigung baulich gesichert und weitere Gänge und Grotten wurden erschlossen.

Im 18.Jahrhundert wurde die Höhle zum touristischen Anziehungspunkt, auch Staatsmänner, Wissenschaftler und Reporter zählten zu den Gästen. 1777 besuchte Johann Wolfgang von Goethe die Höhle und war von ihrer Schönheit und Größe ergriffen, wovon ein begeisterter Brief an Frau von Stein Zeugnis ablegt. Goethe war so von der Höhle fasziniert, das er ihr 1783 und 1784 erneut einen Besuch abstattete. Nach der Entdeckung der Hermannshöhle in Rübeland 1866 erhielt diese den Vorzug bei den Besuchern. Grund dafür war vor allem die Unversehrtheit der Hermannshöhle im Gegensatz zur Baumannshöhle, die inzwischen stark verräuchert war. Außerdem waren zahlreiche Tropfsteine bereits dem Souvenirhandwerk geopfert worden.

1888 wurden in einer Höhlenspalte Renknochen gefunden. Als man an dieser Stelle forschte und grub, wurde eine prächtige, einzigartige, weitere Raumfolge entdeckt. Bei der weiteren Forschung wurde 1890 auch ein neuer Ausgang gefunden. Es vergingen allerdings noch über 30 Jahre bis dieser Abschnitt ab 1921 der Öffentlichkeit zugänglich wurde. Damit begann die eigentliche, bis heute andauernde Blütezeit, der Baumannshöhle. Die Höhle wurde in der Folge gereinigt, elektrifiziert und ausgebaut. Auch vermessen wurde sie, ein Höhlenplan erstellt und zahlreiche Höhlenteile erhielten zur besseren Orientierung Namen. So auch der große Hohlraum mit den Abmaßen 60x40m, der Goethesaal genannt wurde und der jetzt in jedem Jahr für die Höhlenfestspiele genutzt wird.

Versteinerungen, die drei Türmen gleichen, wurden "Hamburger Wappen" genannt. Es folgt eine Abteilung die "Schildkrötenschlucht" heißt und die ihr eigenes Flair durch Tropfsteine unterschiedlicher Struktur erhalten hat. Beeindruckend ist auch das "Brockenmassiv" mit dem "Hotel" und der "Wetterwarte" am Ende der der Schlucht, gleichsam, als hätte die Natur Modell gestanden. Dann gelangt man in die "Palmengrotte", die als Schatzkammer der Höhle angesehen werden kann. Ihre Farbenpracht, hervorgerufen durch unzählige Kristallstrukturen, lässt viel Spielraum für Fantasie. Ihren Namen hat die "Palmengrotte" von einem langen, schlanken Zapfen, an dem palmenähnlich viele kleine Zapfen angeordnet sind. Dort ist auch das älteste bekannte Tropfsteingebilde, ein ca. 3,20m hoher Stalagmit, zu bewundern. Die folgende "Säulenhalle" birgt die wohl schönsten und zahlreichsten Tropfsteinen der Höhle. Der "Märchenwald" ist die dann folgende Abteilung.

Stalaktiten hängen wie Eiszapfen von der Decke, Stalagmiten richten sich zwergengleich vom Boden auf und vermitteln einen märchenhaften Eindruck - dies könnte das unterirdische Reich des Zwergenkönigs aus "Das singende, klingende Bäumchen" sein. Verstärkt wird der mystische Eindruck durch Skelette von pleistozänen Höhlenbären. Den Abschluss der Höhle bildet ein Labyrinth, das einem Gletschergebirge mit Wasserfall ähnelt. Die Baumannshöhle, mit ihrem neuen Foyer, ist spannend und hinterlässt Eindruck. Und wer noch nicht genug hat, besucht die gegenüber liegende Hermannshöhle.

Weitere Informationen: Baumannshöhle – Wikipedia;
Gastspiele des Harzer Bergtheaters in der Baumannshöhle Rübeland

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2007

 
 
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