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Das Bodetal

Es wird auch „Deutscher Grand Canyon“ genannt, das Bodetal. Es ist zwar nicht so lang, so tief und so breit wie der echte Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona, dafür ist es aber auch nicht so alt. Geologen schätzen die amerikanische Schlucht, in der der Colorado River fließt, auf ein Alter von 5 bis 6 Millionen Jahre. Dagegen kommt unser Bodetal, das sich in seiner heutigen Form erst im Eiszeitalter heraus gebildet hat, mit seinen etwa 450.000 Jahren fast jungfräulich daher.

Als Bodetal, im geografischen Sinne, wird der Bereich des Bodelaufs bezeichnet, an dem Kalte- und Warme Bode zusammenfließen, bis zum Flussaustritt aus dem Harzgebirge, in Thale. Im engeren Sinne ist damit aber der Abschnitt zwischen Treseburg und Thale gemeint. Der am Brockenmassiv entspringende Fluss hat sich ab Wendefurth, im Laufe der Jahrtausende, in das harte Rambergranit eingeschnitten. Kontinuierlich wird die Schlucht in Richtung Thale tiefer und breiter. Ist sie bei Treseburg etwa 140 Meter tief, so sind es am Ausgang aus dem Gebirge bei Thale, schon über 280 Meter.

Das Kerngebiet des Bodetals ist mit seinem Gründungsjahr 1937, eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands und umfasst aktuell 474 Hektar Fläche. Das Bodetal weist gegenüber den benachbarten Regionen, eine etwa 1,5 Grad Celsius niedrigere Durchschnittstemperatur auf und hat etwa 150 Millimeter pro Quadratmeter mehr Niederschläge im Jahr. Die sehr unterschiedlichen Standortbedingungen, teilweise auf engem Raum, wie sonnig, schattig, feucht und trocken, haben unterschiedliche Vegetationsstandorte und Biotope entstehen lassen, die einen besonderen Reichtum an Pflanzenarten aufweisen. 

Der Gewässerverlauf ist im Bereich der Bodeschlucht sehr naturnah. Das Flussbett schwankt in seiner Breite zwischen 7 und 25 Metern und weist auf einer Länge von 17 Kilometern, ein Gefälle von über 150 Metern auf. Die Bode ist in ihrer Schlucht wild und ungezähmt, Stromschnellen, Strudel und Kessel wechseln sich ab. Bekannt, berüchtigt und sagenumwoben ist der „Bodekessel“ unweit des Hotel-Restaurants „Königsruhe“, wo es sich bei einer Wanderung auch wunderbar einkehren lässt. Die Bodeschlucht kann komplett erwandert werden, wobei Radfahren auf den Wegen sowie jeglicher Wassersport auf dem Flusslauf untersagt sind. 

Die Wanderroute von Treseburg nach Thale oder umgekehrt, ist etwa 10 Kilometer lang und nicht ganz leicht. An Engstellen wird der Weg in steilen Kehren über Felsen geführt. Aber keine Angst, der Weg ist komplett gesichert, es besteht somit keine Gefahr. Teilweise ergeben sich beeindruckende Ausblicke in die Schlucht. Es führen auch Wege zur Rosstrappe und zum Hexentanzplatz, die aber einige Kondition erfordern. Auf dem Weg durch das Bodetal werden zahlreiche Felsformationen tangiert, die in mystische Zusammenhänge gebracht werden, wie z. B. „Die Jungfrau“, „Der Große Kurfürst“ oder „Der Mönch“. 

Um einige Schluchtabschnitte, wie den „Bodekessel“, den „Siebenbrüderfelsen“ oder der „Teufelskanzel“, spinnen sich Sagen und Legenden. Eine Wanderung durch die Bodeschlucht ist somit nicht nur auf Grund seiner Naturschönheiten ein unvergessliches Erlebnis, es ist auch eine Wanderung durch die Mythen und Sagen einer Harzregion, die sich über viele Jahrhunderte bis zur Zeit der germanischen Stämme in vorgeschichtlicher Zeit, hinziehen.

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2008/2010

 
Wandern im Harz: Der offizielle Wanderführer des Harzklubs
von Florian Genrich (Autor)

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