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Die Roßtrappe und die Winzenburg

Hoch oben, über dem rechten Eingang des Bodetals bei Thale, liegt auf einem Hochplateau ein uraltes menschliches Siedlungsgebiet. Heute ist die „Roßtrappe“ bekannt als Hotel und Ausflugs-lokal, sowie die namensgebende Roßtrappe als Standort einer grandiosen Aussichtsplattform über Bodetal und Harzvorland. Dabei ist die eigentliche Roßtrappe nur ein Sandstein, mit einer Vertiefung in Form eines überdimensionalen Hufabdrucks.

Viele Theorien und noch mehr Sagen gibt es zu diesem Steinmal, aber keine wissenschaftliche Erklärung. Da dieses Hochplateau schon vor über 5.000 Jahren besiedelt oder aber zumindest zeitweise genutzt wurde, wie archäologische Funde belegen, liegt es nahe, dass die „Roßtrappe“ in heidnischer Zeit als eine Art Opferschale diente. Ob selbige natürlichen Ursprungs war oder von Menschen geschaffen wurde, ist eine von vielen ungeklärten Fragen.

Viele archäologische Funde wurden im Thalenser Bodetal schon gemacht. Aber erst als die Archäologie Mitte des 19.Jahrhunderts zur Wissenschaft wurde, maß man Funden des Altertums auch die erforderliche Bedeutung zu. Es ist also nicht verwunderlich, dass zahlreiche Funde zwar schriftlich überliefert, gegenständlich aber nicht mehr auffindbar sind. Als ältestes Fundstück gilt gemäß meiner Recherchen ein etwa 5.000 Jahre alter Mörser (Mahlstein). Auch noch ältere Steinwerkzeuge sollen gefunden worden sein, sind aber heute nicht mehr nachweisbar. Auch zahlreiche Metallartefakte aus Bronze- und Eisenzeit sind dort oben gefunden worden: Schwerter, Beile, Lanzen- und Pfeilspitzen, Sporen und verschiedenster Schmuck.

War dieses Bergplateau in vorgeschichtlicher Zeit wohl mehr eine Kult- und Begräbnisstätte, entwickelte es sich nach dem Beginn der Zeitrechnung wohl schrittweise zur Fluchtburg. Die menschlichen Siedlungen der Stammesverbände wurden stetig größer und auch eine gewisse Sesshaftigkeit setzte ein. Damit wuchs die Erkenntnis und der Bedarf nach Schutzmaßnahmen. Etwa 1.000 Meter nördlich des Roßtrappenfelsens begannen unsere Vorfahren eine gewaltige Wallanlage zu errichten. Heidenwall genannt, sicherte er von Norden nach Süden den gesamten Gebirgskopf. Von diesem Hauptwall zogen sich Vor- und Nebenwälle in nordöstliche und nordwestliche Richtung und sicherten das Plateau bis zur Abbruchkante des Bodetals. Den äußersten westlichen Eckpfeiler bildete dabei der Roßtrappenfelsen.

Diese gesamte Befestigungsanlage wird heute als Winzenburg bezeichnet. Von einer Burganlage im herkömmlichen Sinn sind keine Reste mehr sichtbar. Auch schriftliche Quellen sind nicht bekannt. Somit ist auch unklar wann und warum die Winzenburg aufgegeben wurde.

Dieser Höhenzug über dem Bodetal war dann über Jahrhunderte aus dem Sichtfenster der Menschen verschwunden. Schwer zu erreichen und ohne Nutzen, wurde die „Roßtrappe“ erst mit dem Aufkeimen des Fremdenverkehrs Anfang des 19. Jahrhunderts neu entdeckt. Im Zuge der Erschließung und Bebauung der „Roßtrappe“ zum Hotel- und Ausflugsstandort, wurde in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die heutige Straße erbaut. Dabei wurde der vorhandene Wall mehrfach durchschnitten und dabei archäologisch untersucht.

Es stellte sich heraus, das die Wallanlagen, die etwa 500 Meter lang sind und bis zu 6 Meter hoch ist, in mehreren Etappen errichtet wurde. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die untere Schicht von 1-2 m schon in der Jungsteinzeit errichtet wurde. Ein Ring oder eine niedrige Mauer aus Felsbrocken, die wohl als Steinsetzungen zum Eingrenzen eines Heiligtums anzusehen sind. Die obersten Schichten der Wallanlage stammen aus dem Mittelalter. Es wurden Mörtelreste darin gefunden, die auf zerstörte Baulichkeiten hinweisen. Eine weitere systematische Forschung und wissenschaftliche Aufarbeitung steht bis heute aus.

Weitere Informationen:
Sage von der Roßtrappe - Mythen und Sagen der Harzregion,
Das Bodetal, Die Roßtrappe – aus archäologischer Sicht,
Zur Geschichte von „Königsruhe“ im Bodetal

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2010

 
 
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