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Der Hexenturm und das Alte Schloss Sangerhausen

Die Ortslage Sangerhausen ist uraltes Siedlungsgebiet und wird als fränkische Gründung bereits 780 und 802 im Urkundenverzeichnis des Klosters Fulda genannt. Die erste datierte Urkunde wurde 991, als kaiserlicher Besitz, von Ottos III. ausgestellt. Anzunehmen ist auch, dass der Ursprung der Burg Sangerhausen in diese Zeit anzusiedeln ist. Um 1056 wurde dieser sächsische Besitz zur Grafschaft. Anfang des 12. Jahrhunderts kamen diese Ländereien dann in den Besitz der Wettiner.

Der Wettiner Heinrich der Erlauchte von Meißen ließ seine Besitzung Sangerhausen dann durch eine Stadtbefestigung sichern. Der südöstliche Teil dieser Befestigung bildete die Burg Sangerhausen als höchster Punkt der Altstadt sowie der Befestigungsanlage. Urkundlich erstmals erwähnt wurde die jetzige Anlage 1271. 1291 wurde die Burg an Otto IV. von Brandenburg verkauft und ging 1345 an das Haus Braunschweig-Göttingen. 1372 ging das Anwesen dann wieder an die Wettiner, in deren Besitz es bis 1815 blieb. In den Jahren 1616-1622 wurde ein neues Schloss gebaut, das „Alte“ verlor damit seine Bedeutung. Aber bereits davor diente das Schloss als Sitz der Vögte und als Gerichtsstätte. Und besonders als Gerichtsstätte für Hexenprozesse erwarb sich das Sangerhäuser Schloss einen zweifelhaften Namen.

Wie Manfred Wilde in seinem Buch über die Zauberei- und Hexenprozesse im Kurfürstentum Sachsen nachweist, fanden allein von 1536 bis 1710 27 derartige Prozesse statt. Viele Gefangene schmachteten damals im Kerker dieses Schlosses, der daher seinen Namen „Hexenturm“ erhalten hat. Im Detail überliefert ist unter anderem der Fall der Barbara Riethmüller aus Pölsfelde. Die Riethmüller soll im Jahr 1600, zusammen mit ihrem Mann Hans, Ein altes Ehepaar in Grillenberg, sowie einen wohlhabenden Mann mit seinem Sohn, die bei Rietmüllers eine Herberge suchten, umgebracht haben. Anschließend sollen sie ihre Opfer im Backofen verbrannt haben. Das Ehepaar Riethmüller wurde 1607 denunziert, konnte aber nach einem ersten Verhör flüchten. Jahre später, 1614, kam die Riethmüller mit ihrem Sohn heimlich zurück, ihren Mann soll sie inzwischen auch getötet haben. Aber sie wurde erkannt und verhaftet. Auf Anweisung des Kurfürsten wurde sie mit der „Tortur“ befragt, sie wurde also gefoltert. Man warf ihr mehrere Morde sowie den Tod des Junkers Christoph von Morungen durch Hexerei und Zauberei vor. Doch Barbara Riethmüller entzog sich dem Prozess und somit weiterer Folterungen am 5.August 1614 durch Selbstmord. Sie hatte sich in ihrem Verließ im Hexenturm erhängt.

Irgendwann im 18. oder 19.Jahrhundert wurde das Schloss auch als Amtsgefängnis endgültig aufgegeben. Wann ist nicht überliefert. Aber das Schloss verfiel zusehends. Bald stand nur noch der Hexenturm, am Ostflügel des Alten Schlosses. Für das Jahr 1893 gibt es dann wieder eine Aufzeichnung, da wurde der Turm von der Stadt für die Aufbewahrung von Ledersachen für das Militär hergerichtet. 1839 muss der Turm dann bereits an private Besitzer verkauft worden sein, denn ein Carl Rabe erhielt die Genehmigung zur Reparatur des Turmes.

1927 wurde der „Hexenturm“ dem Grundstück des Tierarztes Otto Noltze zugeschlagen. Der Rest des Alten Schlosses brannte 1946 vollständig ab und auch der Turm wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. 1973 reparierte Noltzes Sohn Gerhard den Turm und machte ihn wieder begehbar. Der „Hexenturm“ ist bis heute im Privatbesitz der Familie Noltze. Von seiner oberen Plattform hat man einen prächtigen Rundblick über die Stadt Sangerhausen und das südöstliche Harzvorland.

Weitere Informationen zu Sangerhausen - "Europa Rosarium Sangerhausen":
http://www.ausflugsziele-harz.de/ausflugsziele-sehenswertes/rosensammlung-sangerhausen.htm

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2009

 
 
Burgen und Schlösser in der Harzregion: Band 2
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor), Wolfgang Braun (Autor)
Burgen und Schlösser der Harzregion, Band 2

Band 2 unseres Burgenführers für die Harzregion schließt sich nahtlos an den erfolgreichen ersten Band an. Wieder werden ihnen 49 Burgen und Schlösser vorgestellt, die Bestandteil der Geschichte der Harzregion sind und wieder werden die textlichen Ausführungen von Bernd Sternal ergänzt durch Rekonstruktionszeichnungen von Wolfgang Braun und Grundrissen von Lisa Berg. Auch seltene alte Stiche haben wir wieder in den Archiven ausgegraben und als attraktive Ergänzung eingefügt.

Wie schon zuvor versuchen wir erneut eine Brücke zu schlagen, zwischen fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, gepaart mit einer kleinen Portion künstlerischer Fantasie, damit Sie eine bildhafte Vorstellung davon haben, wie diese monumentalen Bauten des Mittelalters einmal ausgesehen haben könnten.

Wir hoffen, dass Ihnen auch dieser Band ein guter Begleiter bei der Erkundung dieser Altertümer sein wird, wie uns für den ersten Band mehrfach bekundet wurde.